Andacht zum Sonntag

Zum Nachlesen, zum Mitfeiern, als Anregung … hier einige Gedanken zum Sonntag

Andacht zum Zweiten Sonntag in der Passionszeit – 28. Februar 2021

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Unsere Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, der ewig Wort und Treue hält und der das Werk seiner Hände nicht aufgibt. Amen.

Von Liebe ist heute zu reden. Von Liebe und ihrer unermesslichen Bereitschaft alles zu geben. Von Liebe und Leidenschaft. Von Liebe, die auch Leiden schafft. Von Gottes Liebe ist zu reden.
Gott beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist – und zwar damals, als wir noch mit Schuld beladen waren.
Von dieser Liebe ist zu reden und von unserer Reaktion darauf. So auch im Gebet:

Zu dir, HERR, trage ich,
was mir auf der Seele brennt.
Mein Gott, auf dich vertraue ich!
Lass mich keine Enttäuschung erleben!
Sonst triumphieren meine Feinde über mich.
Es wird ja keiner enttäuscht, der auf dich hofft.
Enttäuscht wird nur, wer dich treulos verlässt.
Zeige mir die Wege, HERR, die du bestimmst!
Und lehre mich, deinen Pfaden zu folgen!
Bringe mir bei, nach deiner Wahrheit zu leben!
Denn du bist es, Gott, der mir hilft!
Und so will ich auf dich hoffen den ganzen Tag!
Denk an deine Barmherzigkeit und Güte, HERR!
Denn schon seit Urzeiten handelst du danach.
Aber an meine Vergehen sollst du nicht denken –
auch nicht an die Sünden aus meinen Jugendtagen!
Denk so an mich, wie es deiner Güte entspricht!
Du meinst es doch gut mit mir, HERR.
Gut und gerecht ist der HERR.
Darum weist er den Sündern den Weg.
Er lehrt die Unterdrückten seinen Weg.
Alle Wege, die der HERR bestimmt,
sind geprägt von Güte und Wahrheit.
Befreie mich von der Angst,
die mir das Herz zusammenschnürt.
Führe mich aus meiner Bedrängnis!
Vorbildlich und ehrlich will ich leben.
Darum behüte mein Tun!
Denn auf dich hoffe ich.
Amen. (aus Psalm 25)

Seht hin, er ist allein im Garten.
Er fürchtet sich in dieser Nacht,
weil Qual und Sterben auf ihn warten
und keiner seiner Freunde wacht.
Du hast die Angst auf dich genommen,
du hast erlebt, wie schwer das ist.
Wenn über uns die Ängste kommen,
dann sei uns nah, Herr Jesus Christ!
(aus eg 95)

Gedanken zu Jesaja 5, 1 – 7

Über diesem Jahr steht als Jahreslosung der Satz: Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater, sprich Gott, barmherzig ist. Und wenn Gott, der Vater, als Vergleichsgröße genannt ist, an dem sich unsere Barmherzigkeit orientieren soll, dann muss wohl auch eindeutig gesagt werden: Gott ist barmherzig!
Dass Gott barmherzig ist, davon leben wir. Das gibt uns die Chance überhaupt vor ihm bestehen zu können. Wäre Gott nicht auch mit uns barmherzig, o weh!
Wie gut, dass Gott barmherzig ist, uns in Liebe zugewandt bleibt und alles für uns tut, damit wir nicht nur in den paar Jahren unseres Lebens hier auf Erden gut leben, sondern auch in seinem Reich ewig leben dürfen.
Gott, der liebe Gott, kann doch gar nicht anders, als mit uns barmherzig zu sein.
Dass mit dem „lieben Gott“ ist so eine Sache.
Was meinen wir denn, wenn wir von Gottes Liebe reden?
Oft wird die Eigenschaft „lieb“ für Gott so gebraucht, wie bei Hunden, denen Sie beim Spazierengehen begegnen. Ein freilaufender, großer Hund, der mit vollem Tempo auf Sie zugerannt kommt, und aus weiter Ferne ist zu hören: „Der ist lieb!“, gefolgt von: „Der tut nichts!“
Wie schön, wenn der Hund Ihnen dann tatsächlich nichts tut, sondern einfach an Ihnen vorbeiläuft.
„Lieb“ heißt also „Nichts-Tun“.
So reden wir auch von und mit kleinen Kindern. Die werden ja durchaus manchmal aufgefordert: „Nun sei aber mal schon lieb!“
Gemeint ist dann: „Tu jetzt nicht das, was du vielleicht vorgehabt hast, sondern lass es bleiben!“.
Wieder: „Lieb-Sein“ heißt „Nichts-Tun“.
So wird dann auch vom „lieben Gott“ geredet. Der ist „lieb“, der tut nichts.
Der tut nichts, auch wenn wir uns mal daneben benehmen, wenn wir nicht lieb waren, wenn wir nicht das Gute, sondern das Böse getan haben.
Gott ist lieb. Gott liebt uns.
Hört mir zu! Ich singe euch das Lied meines Freundes von seinem Weinberg.
So stellte sich der Prophet Jesaja hin und begann zu singen – von seinem Freund und dem Weinberg. Und die Menschen erwarteten ein Liebeslied, weil das damals die Stichwörter waren, wenn von der Liebe gesungen wurde.
So fing Jesaja an und sang:
Auf fruchtbarem Hügel, da liegt mein Stück Land,
dort hackt ich den Boden mit eigener Hand,
ich mühte mich ab und las Felsbrocken auf,
baute Wachtturm und Kelter, setzte Reben darauf.

Da hat sich jemand Mühe gegeben. So richtig viel investiert in die Liebe.
Aber das gehört zur Liebe dazu, dass sie erst einmal nicht fragt, wie hoch der Einsatz ist. Es ist Liebe und die gibt und gibt, weil es Liebe ist.
Liebe rechnet nicht ab, wie viel beide gegeben und wie viel sie jeweils genommen haben.
Und doch geht es der Liebe immer um Beziehung. Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Doch sie lebt davon, dass ihr geantwortet wird.
Einseitige Liebe ist keine wahre Liebe. Wahre Liebe ist es nur, wenn sie erwidert wird.
So müsste dann die Antwort des mit so viel Liebe bearbeiteten Weinbergs ganz klar sein, oder?
Und süße Trauben
erhofft ich zu Recht,
doch was dann im Herbst wuchs,
war sauer und schlecht.

Saure Trauben, ja, schlechte Trauben mag niemand. Auch wenn Weinkenner ja eher nicht zu süßen Trauben neigen, so geht das nicht.

Wird das nun ein Liebeslied voller Sehnsucht und Melancholie? Hören wir nun den Gesang über die abgelehnte Liebe und die Sehnsucht des Liebenden auf eine Antwort der Geliebten?
Das Lied geht weiter. Jesaja sang:
Jerusalems Bürger, ihr Leute von Juda,
was sagt ihr zum Weinberg, was tätet denn ihr da?
Die Trauben sind sauer – entscheidet doch ihr:
War die Pflege zu schlecht? Liegt die Schuld denn bei mir?

Oh ha. Nun wird es ernst. Der verschmähte Liebende sucht sich Verbündete, sucht andere, die ihn daran bestärken, dass er doch alles getan habe, dass sie die Schuld trage, dass sie nun in der Pflicht sei, dass sie doch auf seine Liebeserweise antworten müsse.
Was sollen wir sagen? Wir müssen uns für eine der beiden Seiten entscheiden. Nur, für wen?
Jesaja lässt uns keine Zeit mehr zum weiter Nachdenken und setzt das Lied selbst fort:
Ich sage euch, Leute, das tue ich jetzt:
Weg reiß ich die Hecke, als Schutz einst gesetzt;
zum Weiden solln Schafe und Rinder hinein!
Und die Mauer ringsum – die reiße ich ein!
Zertrampelnden Füßen geb ich ihn preis,
schlecht lohnte mein Weinberg mir Arbeit und Schweiß!
Ich will nicht mehr hacken, das Unkraut soll sprießen!
Der Himmel soll ihm den Regen verschließen!

Puh, keine zweite Chance? Nicht mal ein Versuch mit neuen Reben oder anderem Dünger oder was sonst?
Einfach alles der Vernichtung preisgeben? Keinen Einsatz mehr für den Weinberg? Nur noch alles wegreißen, was ihn bisher geschützt hat?
Allerdings legt er nicht selbst Hand an den Weinberg. Das, was er mit so viel Liebe gehegt und gepflegt hat, greift er nicht selbst an. Er nimmt „nur“ den Schutz weg, damit andere seine Arbeit vernichten können, den Weinberg verwüsten.
Ist das noch ein letztes Aufflackern der Liebe? Die Geliebte, für die er alles getan hatte, die so schmählich die Liebe abwies, nicht selbst anrühren?
Nach Verzweiflung klingt das und nach absoluter Hilflosigkeit. Aber nicht erwiderte Liebe führt zum Liebeskummer und dann zum Ende der Beziehung.
So ist es. Nicht schön. Auch nicht immer ein leichter Weg. Aber für die Person, die einseitig liebt, der einzige Weg, um einigermaßen heil aus der Geschichte herauszukommen.
Tja, dieses Mal war es kein fröhliches Liebeslied, sondern eines von den traurigen. Doch bevor wir uns seufzend, mit einer Träne im Augenwinkel abwenden und weitergehen, fängt Jesaja noch einmal an.
Sein Lied hat noch eine Strophe:
Der Weinberg des Herrn seid ihr Israeliten!
Sein Lieblingsgarten, Juda, seid ihr!
Er hoffte auf Rechtsspruch – und erntete Rechtsbruch,
statt Liebe und Treue nur Hilfeschreie!

So hatten wir nicht gewettet. Beim Liebesdrama mitfühlen, ja, aber nicht auch noch eine Rolle übernehmen, und erst recht nicht diese.
Wir können uns nicht raus reden, dass wir gar nicht die Israeliten seien, nicht zum Volk Juda gehören. Das stimmt zwar. Aber eben der Gott Israels ist auch unser Gott, der auch uns mit dieser Liebe begegnet. Der alles für uns tut. Alles für uns getan hat.
Und eine Antwort erwartet: Rechtsspruch, Liebe und Treue.
Nicht andere betrügen und hintergehen, sondern ihnen gönnen und geben, was ihnen zusteht.
Liebe und Treue zeigen, oder mit anderen Worten: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Denn Gott ist nicht einfach „lieb“ in diesem Sinne von „Der tut nichts“. Gott liebt – auch uns. Und wartet auf unsere Antwort. Amen.


Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn,
dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.
Dein Reich in Klarheit und Frieden,
Leben in Wahrheit und Recht.
Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn.
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.
Dein Reich des Lichts und der Liebe
lebt und geschieht unter uns.
Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn.
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.
Wege durch Leid und Entbehrung
führen zu dir in dein Reich.
Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn.
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.
Sehn wir in uns einen Anfang,
endlos vollende dein Reich. (aus eg 675)

Gebet: Gott, wir wagen es Dich zu bitten, nicht aufzuhören mit Deiner Liebe. Wage es noch einmal mit uns und mit Deiner Welt.
Gib uns die Offenheit, uns von Deiner Liebe anstecken zu lassen. Lass Deine Liebe in uns wirken, damit wir Frucht bringen.
Wir bitten Dich, gib uns die Kraft, Dein Recht zu bewahren und allen Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen.
Gib uns den Mut, für die Benachteiligten einzutreten und nicht davon abzulassen, auch wenn andere dagegen zu sprechen.
Wir bitten Dich, gib uns die Kraft, treu zu bleiben. Anderen Menschen, die sich auf uns verlassen und ohne unsere Treue hilflos wären. Anderen Menschen, die auf unsere Hilfe warten. Uns selber, dass wir nicht wanken und von der Liebe ablassen. Dir, damit wir bei Dir bleiben. Amen.

Vaterunser

Bitte um den Segen: Herr, segne uns und behüte uns. Herr, lass Dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Herr, erhebe Dein Angesicht über uns und gib uns Frieden. Amen.

Marcus Brenzinger

Die Bibeltexte sind entnommen der BasisBibel © 2012 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart und der Gute Nachricht Bibel © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.