Andacht zum Sonntag

Zum Nachlesen (entweder direkt hier oder auch zum Herunterladen), zum Mitfeiern, als Anregung … hier einige Gedanken.

Andacht zum 6. Sonntag nach Trinitatis – 11. Juli 2021

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Unsere Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, der ewig Wort und Treue hält und der das Werk seiner Hände nicht aufgibt. Amen.

Jetzt spricht der Herr, der Jakob geschaffen und sein Volk Israel gebildet hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich befreit. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.
Nicht fürchten müssen, weil wir befreit sind. Zu Gott gehören dürfen, weil er uns beim Namen gerufen hat. Er, der uns kennt. Und wie gut:

Herr, du hast mich erforscht
und kennst mich genau.
Ob ich sitze oder stehe: Du weißt es.
Meine Absicht erkennst du von fern.
Ob ich gehe oder ruhe: Du merkst es.
Alle meine Wege sind dir bekannt.
Noch liegt mir kein Wort auf der Zunge,
schon weißt du, Herr, was ich sagen will.
Von hinten und von vorn hast du mich umfasst
und hast deine Hand auf mich gelegt.
Zu wunderbar ist dieses Wissen für mich.
Es ist mir zu hoch: Ich kann es nicht begreifen.
Wohin könnte ich gehen vor deinem Geist,
wohin fliehen vor deiner Gegenwart?
Würde ich in den Himmel steigen: Du bist dort.
Würde ich mich in der Unterwelt verstecken:
Dort bist du auch.
Würde ich hochfliegen, wo das Morgenrot leuchtet,
mich niederlassen, wo die Sonne im Meer versinkt:
Selbst dort nimmst du mich an die Hand
und legst deinen starken Arm um mich.
Da sagte ich: „Finsternis komme über mich!
Nacht soll mich umhüllen wie sonst das Licht!“
Doch für dich ist die Finsternis nicht finster,
und die Nacht leuchtet so hell wie der Tag:
Finsternis ist für dich wie das Licht.
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz!
Verstehe mich und begreife, was ich denke!
Sieh doch, ob ich auf einem falschen Weg bin,
und führe mich auf dem Weg, der Zukunft hat!
Amen. (aus Psalm 139)

Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;
ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt.
Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.
Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt;
du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt;
du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein.
(Johann Jakob Rambach, aus eg 200)

Gedanken zu Matthäus 28, 16 – 20

Der Evangelist Matthäus berichtet am Ende seines Evangeliums: Die elf Jünger gingen nach Galiläa. Sie stiegen auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte.
Als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Aber einige hatten auch Zweifel.
Jesus kam zu ihnen und sagte: „Gott hat mir alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde. Geht nun hin zu allen Völkern und ladet die Menschen ein, meine Jünger und Jüngerinnen zu werden. Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Und lehrt sie, alles zu tun, was ich euch geboten habe! Seid gewiss: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“

So bekannt dieser Text ist, bei vielen Taufen wird er gelesen, so seltsam ist er auf den zweiten Blick.
Es ist ein Ostertext. Denn hier geht es um eine Begegnung mit dem Auferstandenen. Und nach dem Bericht des Matthäusevangeliums ist es die erste Begegnung, die die Jünger mit dem auferstandenen Jesus gehabt haben.
Als Jesus auferstanden war, gingen zunächst die Frauen zum Grab, entdeckten, dass es leer ist, und wurden von einem Engel darauf hingewiesen, dass Jesus auferstanden sei.
Und sie sollten seinen Jüngern sagen, er würde ihnen nach Galiläa vorgehen.
Schließlich begegnet den Frauen auch noch Jesus selbst, der den Auftrag an sie wiederholte, seinen Jüngern zu sagen, sie sollten nach Galiläa kommen.
Und dann folgt schon der Bericht, dass die elf Jünger nach Galiläa gegangen seien. Noch hatten sie Jesus nicht gesehen. Noch hatten sie nur den Frauen geglaubt und sich auf den Weg gemacht.
Das wird kein einfacher Weg gewesen sein. Mit wie viel Fragen werden sie sich herumgeschlagen haben in diesen Tagen! Welche Hoffnungen und Ängste haben sie bewegt!
Und dann die Ungewissheit, ob es überhaupt richtig war, was ihnen erzählt worden war. Harte Tage lagen hinter ihnen.
Dann sahen sie ihn. Und sie taten etwas, was sie vorher nie getan hatten, sie fielen vor ihm nieder. Sie erwiesen ihm diese hohe Ehre, als ob sie einen Herrscher vor sich hätten.
Und sie taten das, obwohl die Zweifel blieben. Die waren noch nicht ausgeräumt. Konnte es sein, dass er lebt, dass er, der tot war, lebte?
Jesus diskutiert und argumentiert nicht. Er sagte den Jüngern, wie die Situation sich nun darstellt, was durch Ostern geschehen ist.
Dass ihm nämlich alle Macht, die Vollmacht gegeben sei im Himmel und auf Erden.
Und das soll allen deutlich sichtbar werden, darum schickt er die Jünger los in alle Welt.
So manche, die den Jüngern folgten, haben das mit der Macht nicht richtig verstanden. Die haben das Wort Macht oder gar Gewalt gehört, an die eigene, menschliche Macht und Gewalt gedacht, sie dann den anderen gegenüber – im Namen Gottes – eingesetzt.
Missionierung hieß so in nicht wenigen Fällen Gewaltherrschaft über unterlegene Völker. Das Christentum wurde zur Religion der Siegenden, zur Rechtfertigung für die Unterdrückung Fremder.
Dabei haben diese Missionare unbewusst, oder vielfach auch durchaus sehr bewusst, übersehen, dass Jesus mit Vollmacht und Macht etwas ganz anderes meinte.
Jesu Macht ist eine andere, als die der Herrschenden. Schon gleich zu Beginn seines Lebens wird dies deutlich. Da war das neugeborene Kind, Gottes Sohn, der Messias, der in seiner Macht der König Herodes gegenüber stand.
Herodes klammerte sich an seine Macht und zeigte mit der Tötung der Kinder in Bethlehem die zerstörerische Seite der Macht.
Dagegen Jesus. Seine Macht ist die des hilflosen Kindes, das fliehen musste.
Seine Macht ist nicht die Macht des Teufels, der ihm die Macht über die ganze Welt verspricht, wenn er sich nur vor ihm niederwirft.
Jesu Macht liegt in der Lehre, die Menschen anrührt und bewegt.
Seine Macht liegt in der Vollmacht, die Sünden zu vergeben, Kranke zu heilen, böse Mächte zu vertreiben.
Jesu Macht liegt in der Liebe und der Hingabe für andere Menschen.
Diese Macht soll sichtbar werden in der ganzen Welt.
Dazu werden die Jünger nun ausgesandt. Die Menschen aller Völker sollen einladen, zu Jüngerinnen und Jüngern Jesu zu werden.
Sie sollen zu Menschen werden, die Jesus folgen, die ihm glauben, die ihr Leben an ihm ausrichten.
Das zeigt sich in der Taufe. Wenn das wichtig ist für Menschen unter der Macht Jesu, dann bedeutet das einen anderen Lebenswandel, bedeutet es, zuzugeben, dass ein Leben ohne Gott nicht in Ordnung ist.
Dass der Lebenswandel von großer Bedeutung ist, wird an dem anderen sichtbar, das die Jünger neben dem Taufen tun sollen.
Sie sollen lehren. Sie sollen weitergeben, was Jesus ihnen geboten hatte. Damit ist – gerade im Zusammenhang des Matthäusevangeliums – besonders die Bergpredigt gemeint.
Darin fordert Jesus unter anderem dazu auf, Gott, die Nächsten und die Feinde zu lieben. Daran haben sich die Christinnen und Christen zu bewähren. Das soll ihnen beigebracht werden, so sollen sie leben. Wer sich Jesu Macht unterstellt, wer also an ihn glaubt, sich taufen lässt, muss und wird auch dementsprechend leben.
Zum Schluss spricht Jesus den Jüngern seine Gegenwart zu, bis zum Ende der Welt. Damit wird deutlich, der Auftrag, aller Welt Jesu Macht zu verkünden, sie ihm zu unterstellen, galt nicht nur den elf Jüngern, die vor ihm auf jenem Berg in Galiläa auf dem Boden lagen. Er gilt allen Christinnen und Christen– auch heute.
Mission, also sich von Gott in die Welt senden lassen, um von ihm zu erzählen, um Menschen zu Gott zu bringen, ist heutzutage gar nicht so einfach.
Aber umso dringender! Weltweit. Das heißt auch bei uns. Es geht hier nicht darum, wieder mehr Mitglieder für die Kirche zu werben. Wir hätten es nötig.
Aber Kirchen sind erst eine zweite Folge der Mission. Wenn Menschen sich zu Gott bekennen, dann können sie das nicht alleine tun, dann brauchen sie andere. Und so schließen sie sich zusammen. Es entstehen Kirchen oder bestehende Kirchen wachsen.
Damit Menschen eine Heimat in ihrem Glauben finden.
Wenn wir als Kirche, was die Mitgliederzahlen angeht, schrumpfen, dann sollte es uns zu bedenken geben, in wieweit wir noch Heimat sind, in wieweit wir so leben, dass Menschen sagen, da bleibe ich, oder da gehe ich wieder hin, weil ich anders nicht leben kann.
Mission fängt, wie gesagt, nicht bei der Kirche an, sondern bei den Menschen und ihrer Beziehung zu Gott.
Auch wir sind gesandt, zu Menschen zu gehen, sie einzuladen, Jüngerinnen und Jüngern Jesu zu werden.
Wir sind gesandt. Das gilt für alle, nicht nur für ein paar wenige. Die elf Jünger waren alle gekommen. Sie haben sich alle senden lassen.
Nicht nur die, die schon fest überzeugt waren. Auch diejenigen, die noch ihre Zweifel gehabt haben.

Sie hatten allesamt keine besondere Ausbildung dazu, sondern sie haben überzeugt, weil sie glaubwürdig waren. Die Menschen haben ihnen abgenommen, was sie von Jesus erzählt haben, was sie als Lebenswandel in seinem Namen forderten.
Auch sie mussten so manches Mal mit sich und anderen ringen, wie sie es nun am besten anstellen sollten, von Gott so zu reden, dass es die Menschen verstehen, dass sie in ihrem Leben ernst genommen werden.
Auch ihnen gelang nicht alles, auch ihnen liefen nicht gleich die Massen hinter her. Aber sie blieben dem Auftrag treu, den Jesus ihnen gegeben hatte.
Und das ist die Anfrage an uns, ob wir losgehen, andere zu überzeugen. Ja im Grunde gehört das untrennbar zu unserem Glauben dazu, was aber auch bedeute, gingen wir nicht los, würden wir nicht wirklich glauben.

Dass unser Glaube echt sei, dass wir losgehen, andere einzuladen, Jüngerinnen und Jüngern Jesu zu sein, dazu begleite uns Jesus Christus, der auf diesem Weg bei uns ist, alle Tage bis zu dem Tag, an dem alle Zeit ein Ende findet. Amen.

Du hast mich, Herr, zu dir gerufen,
und in der Taufe bekenn ich dich.
Ich will dir folgen, will bei dir bleiben
und will dir treu sein; gib du mir Kraft.
Wie du gestorben und erstanden,
sterb und erstehe ich, Herr, mit dir.
Ich will dir folgen, will bei dir bleiben
und will dir treu sein; gib du mir Kraft.
Gib meinem Leben große Freude und Kraft,
für andere da zu sein.
Ich will dir folgen, will bei dir bleiben
und will dir treu sein; gib du mir Kraft.
Wenn Angst und Zweifel in mir wachsen,
dann schenke du mir neuen Mut.
Ich will dir folgen, will bei dir bleiben
und will dir treu sein; gib du mir Kraft.
Herr, sende mich wie deine Jünger,
und gehe du mir selbst voran.
Ich will dir folgen, will bei dir bleiben
und will dir treu sein; gib du mir Kraft. (Otmar Schulz, eg 210)

Gebet: Gott, Du hast uns berufen, andere zu Dir einzuladen. Wir bitten um Mut für diese Arbeit, dass wir anfangen, auch wenn wir noch nicht genau sehen, wie der Weg aussehen wird. Gib uns den Mut, nicht so schnell aufzugeben, aber auch Scheitern und Irrtum einzugestehen. Gib uns den Mut zum Bauen von Brücken. Brücken zwischen uns und denen, die wir nicht mögen und verstehen können, die uns misstrauen oder enttäuschen. Gib uns den Mut, dass die Schuldigen bekennen und Vergebung erfahren, dass wir Angst nehmen, statt Angst zu machen. Amen.

Vaterunser

Bitte um den Segen: Herr, segne uns und behüte uns. Herr, lass Dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Herr, erhebe Dein Angesicht über uns und gib uns Frieden. Amen.

Marcus Brenzinger

Die Bibeltexte sind entnommen der BasisBibel © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.