Andacht zum Sonntag

Zum Nachlesen (entweder direkt hier oder auch zum Herunterladen), zum Mitfeiern, als Anregung … hier einige Gedanken zum Sonntag.

Andacht zum Vierten Sonntag nach Ostern – 2. Mai 2021

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Unsere Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, der ewig Wort und Treue hält und der das Werk seiner Hände nicht aufgibt. Amen.

Singt dem Herrn ein neues Lied! (Psalm 98, 1) So steht es über dem heutigen Sonntag. Gott ein neues Lied singen.
Und wenn wir nicht singen dürfen? Wenn kein Lied über unsere Lippen kommt, kein altbekanntes, geschweige denn ein neues?
Ob uns die Begründung für diese Aufforderung zu singen doch bewegt?

Singt dem Herrn ein neues Lied,
denn Wunder hat er getan!
Geholfen haben ihm seine starke Hand
und sein heiliger Arm.
Der Herr hat seine Hilfe bekannt gemacht.
Vor den Augen der Völker hat er offenbart,
dass seine Gerechtigkeit allen Menschen gilt.
Er dachte an seine Güte und Treue,
die er dem Haus Israel erwiesen hat.
Menschen aus der ganzen Welt haben gesehen,
wie unser Gott geholfen hat.
Heißt den Herrn willkommen, alle Länder!
Brecht in Jubel aus, seid fröhlich und musiziert!
Musiziert für den Herrn mit der Leier,
mit der Leier und vollem Saitenklang!
Mit dem Schall von Trompeten und Widderhörnern
heißt den Herrn als König willkommen!
Das Meer soll brausen und alles, was in ihm lebt!
Der Erdkreis soll jubeln und alle seine Bewohner!
Die Flüsse sollen in die Hände klatschen,
und die Berge sollen im Chor jubeln –
vor dem Angesicht des Herrn.
Denn er kommt, um Gericht zu halten auf der Erde.
Über den Erdkreis wird er ein gerechtes Urteil fällen
und die Völker nach Recht und Ordnung richten.

Amen. (Psalm 98, 1 – 9)

Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.
Hier sind die treuen Sinnen, die niemand Unrecht tun,
all denen Gutes gönnen, die in der Treu beruhn.
Gott hält sein Wort mit Freuden, und was er spricht, geschicht;
und wer Gewalt muss leiden, den schützt er im Gericht.
Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm;
der Herr allein ist König, ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt,
ist’s billig, dass ich mehre sein Lob vor aller Welt.
(aus eg 302)


Gedanken zu Lukas 19, 37 – 40

Gott ein Lied singen. Wer sollte etwas dagegen haben?

Nun gut, im Augenblick haben einige was dagegen. Singen ist gefährlich. Beim Singen stoßen wir viel mehr Luft aus, als wenn wir schweigen würden. Und mit unserem Atem senden wir auch alle Viren, die sich gerade so in unserer Lunge und unserem Rachen und Mund befinden, mit in die weite Welt.
Das ist völlig normal und sonst auch kein großes Problem. Mit den Viren, die dabei die anderen verteilen, kommt unser Körper in der Regel ganz gut klar.
Beim Singen kommt allerdings noch dazu, dass wer viel ausatmet, auch viel und tiefer einatmen muss. Die Viren kommen also weiter rein in unseren Körper.
Auch das ist ansonsten kein Problem. Wenn da nicht dieses eine Virus wäre, mit dem unser Körper nicht einfach so klar kommt, das schwere Schäden hinterlässt, gar tödlich sein kann.
Darum ist Singen gefährlich und wird verboten. Zumindest wenn andere in der Nähe sind, wenn wir nicht genügend Abstand halten und lüften können.
Dabei ist Singen gesund und so wichtig. Ein Lied kann so viel mehr ausdrücken als tausend schlaue Worte. Singen tut gut. Singen hilft und befreit.
Aber nein: Singen ist gefährlich und gehört verboten. Nicht nur in unseren so seltsamen Zeiten. Auch schon zu anderen Anlässen hieß es: Singen verboten.
Weil es Leute gab, die Angst hatten. Angst vor einem Virus, dass sich unkontrolliert ausbreitet, mit dem sich andere anstecken könnten.
Dieses Mal jedoch kein Virus, das den Tod bringt, sondern Leben.
Und davor soll jemand Angst haben?
Wer hat schon Angst vor dem Leben? Wollen wir nicht alle leben?
Obwohl, das gibt es schon diese Angst vor dem Leben. Wenn das Leben uns überfordert. Wenn das Leben uns Aufgaben stellt, die sich uns wie unüberwindliche Hürden in den Weg stellen. Wenn wir keinen Weg sehen, wie wir leben könnten.
Ja, dann kann uns das Leben Angst machen. Dann kann es sein, dass der Tod seine Schrecken verliert und sogar begehrt wird. Dann wollen Menschen den Tod und nicht das Leben.
Und was hat das nun mit dem Singen und dem Verbot zu singen zu tun?
Weil es an diesem Sonntag um das Singen, das Singen eines neuen Liedes für Gott, gehen soll, darum wurden Bibeltexte herausgesucht, in denen es um das Singen geht. Damit wir anhand dieser Geschichten mehr lernen über das Singen von neuen Lieder für Gott.
Darum die Geschichte vom Verbot des Singens:
Jesus kam zu der Stelle, wo der Weg vom Ölberg nach Jerusalem hinabführt. Da brach die ganze Schar der Jüngerinnen und Jünger in lauten Jubel aus. Sie lobten Gott für all die Wunder, die sie miterlebt hatten. Sie riefen: „Gesegnet ist der König, der im Namen des Herrn kommt! Friede herrscht im Himmel und Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe!“
Es waren auch einige Pharisäer unter der Volksmenge. Die riefen ihm zu: „Lehrer, bring doch deine Jünger zur Vernunft!“ Jesus antwortete ihnen: „Das sage ich euch: Wenn sie schweigen, dann werden die Steine schreien!“

Wer jetzt beim Lesen dieser Geschichte alles mitbekommen hat, dem wird aufgefallen sein, dass hier vom Singen gar nicht geredet wird. Von lautem Jubel, von Rufen, von Schreien ist die Rede. Aber nicht vom Singen.
Nun gut, es geht um das Loben Gottes. Das ist am schönsten, wenn es gesungen wird. Aber Sie merken, es geht hier nicht um die musikalische Ausführung oder um Ruhestörung, sondern den Inhalt.
Es geht darum, was denn die ganze Schar der Jüngerinnen und Jünger gerufen haben.
Wobei, auch das stimmt noch nicht so ganz. Der Inhalt selbst ist vermutlich gar nicht das Problem.
Gesegnet ist der König, der im Namen des Herrn kommt! Friede herrscht im Himmel und Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe!
Natürlich ist der König, der im Namen Gottes kommt, gesegnet. Sonst käme er gar nicht, jedenfalls nicht im Namen Gottes.
Und dass im Himmel Friede herrscht und die Himmelshöhen von Herrlichkeit, Gottes Herrlichkeit erfüllt sind, wer wollte das bestreiten?
Der entscheidende Punkt ist, von wem denn da gesungen oder geschrien wird.
Die Jüngerinnen und Jünger begleiteten Jesus auf dem Weg nach Jerusalem. Sie waren von einer Volksmenge umgeben, zu der auch aufmerksame, aber kritische Zeitgenossen gehörten.
Die hörten nicht einfach nur ein nettes Liedchen, sondern die hörten den lauten Jubelruf über den Einzug des neuen Königs in seine Hauptstadt. Die hörten den Jubel über den von Gott gesandten König, den Messias, den Christus, der Gottes Herrschaft auf Erden sichtbar werden lässt.
Die hörten diesen Jubel und warteten selbst ganz dringend darauf, dass dieser König komme. Die hörten das und sahen gleichzeitig Jesus. Und ihnen war klar, dass die Menge in Jesus dieses ersehnten König sah.
Und ihnen war klar, dass aus dieser noch recht überschaubaren Menge eine große Zahl werden könnte, wenn die denn weiter schreien würden, wenn sie es bis in die Stadt schafften.
Und sie hatten Angst, dass sich dieser Virus ungehindert ausbreiten könnte, dass viele Leute davon angesteckt würden, dass sie nicht nur schreien, sondern auch handeln könnten. Sie hatten Angst um das Leben dieser Leute, um ihr eigenes Leben.
Sie hatten Angst, dass sich die Machthaber in der Stadt diesen Jubelruf auf den König nicht gefallen lassen würden. Sie hatten die durchaus berechtigte Befürchtung, dass die Mächtigen mit Gewalt zu schlagen würden, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.
Darum sollte der, den die Menge da besang, für Ruhe sorgen. Darum sollte er sie zur Vernunft bringen. Ist es nicht unsinnig, das Leben zu riskieren? „Also lass sie schweigen. Untersage ihnen das Rufen solcher Sätze. Verbiete ihnen das Singen.“
Doch Jesus tat das nicht. Weil es richtig war, was die Menge dort rief. Weil dieser Ruf gar nicht zum Schweigen gebracht werden kann. Ein Verbot wäre sinnlos, denn:
Wenn sie schweigen, dann werden die Steine schreien!
Mit dem einzigen Problem, dass die Steine ja gar nicht schreien. Jedenfalls normalerweise nicht. Oder haben Sie schon mal Steine schreien gehört?
Das ist völlig ausgeschlossen. Aber sie würden es tun, wenn dieser Ruf nicht mehr erginge, wenn es verboten würde zu rufen:
Gesegnet ist der König, der im Namen des Herrn kommt! Friede herrscht im Himmel und Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe!
Die Steine würden es herausschreien was schon einmal ähnlich, aber nur ähnlich, von Jesus gesungen wurde. Von den Engeln auf den Felder vor Bethlehem als er geboren worden war. Wobei auch von ihnen genau genommen nicht gesagt wird, dass sie es gesungen hätten. Auch sie riefen:
Gottes Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe! Sein Frieden kommt auf die Erde zu den Menschen, denen er sich in Liebe zuwendet!
Zur Geburt von Jesus kommt der Frieden noch auf die Erde. In dem Moment, als Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist, um dort zu sterben und wieder auferweckt zu werden, herrscht er „nur noch“ im Himmel.
Denn das ist der Weg, der vor ihm liegt. Er ist zwar äußerlich auf einem Weg den Berg hinab. Aber es ist sein Weg in den Himmel. Ins Leben. In Gottes Herrlichkeit.
Die Engel riefen es. Die Jüngerinnen und Jünger riefen es. Die Steine würden es rufen, wenn alle anderen schwiegen.
Es geht gar nicht um das Singen. Vielleicht werden wir dieser Botschaft gar nicht gerecht, wenn wir sie singen. Vielleicht braucht es das Rufen und Schreien. Weil es keine Botschaft voller Harmonien ist.
Weil es um Leben und Tod geht, um das Leben für alle durch den Tod und die Auferstehung des einen, Jesus.
Weil hier die Verhältnisse umgekehrt werden. Weil die Mächtigen von ihren Thronen gestürzt werden, aber nicht durch Gewalt, sondern durch unendliche Liebe und Treue zu Gott.
Weil es um Frieden geht. Nicht um den Friedhofsfrieden, sondern Frieden, der diesen Namen verdient als Wohlergehen aller.
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Und dann, im Himmel wird gesungen. Doch bis dahin muss immer wieder deutlich vernehmbar gerufen werden:
Gesegnet ist der König, der im Namen des Herrn kommt! Friede herrscht im Himmel und Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe!
Denn sonst werden die Steine schreien! Amen.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne, den Klang hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde,
du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.
Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben
von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst,
du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
Ich sing dir mein Lied, in Ihm klingt mein Leben.
Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben
von Nähe, die heil macht – wir können dich finden,
du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Höhen, die Tiefen hast du mir gegeben.
Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung,
du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne den Klang hast du mir gegeben
von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen
du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied. (aus eg E 19)

Gebet: Du, Gott, schenkst Mut, wo Furcht herrscht. Wir danken Dir für alle, die sich mutig zu Dir bekennen, und die ihre eigenen Interessen zurückstellen und für andere einstehen. Wir bitten Dich für alle, die Deinetwegen beschuldigt werden, und die, die gerecht und barmherzig handeln. Hilf Du, Gott!
Du, Gott, tröstest die Traurigen. Wir danken Dir für alle, die Kranken und Sterbenden beistehen, und für alle, die angesichts von Hass und Verleumdung hoffnungsvoll bleiben. Wir bitten Dich für die Kranken und Trauernden, und für alle, die bei der Wahrheit bleiben. Hilf Du, Gott!
Du Gott schützt die Schwachen. Wir danken Dir für alle, die den Hunger nicht tatenlos hinnehmen, und für alle, die teilen. Wir bitten Dich für die Hungernden, die Opfer von Krieg und Gewalt, für die Mächtigen und die, die Verantwortung tragen. Hilf Du, Gott! Amen.

Vaterunser

Bitte um den Segen: Herr, segne uns und behüte uns. Herr, lass Dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Herr, erhebe Dein Angesicht über uns und gib uns Frieden. Amen.

Marcus Brenzinger

Die Bibeltexte sind entnommen der BasisBibel © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.